Seile, Schnüre, Knoten knüpfen
 
  Der Knotenknüpfer    
       
 

Der Knoten im Tuch — So merkwürdig es klingen mag, der Knoten im Tuch galt einst als Hilfsmittel zum Zählen. Er erfüllte den gleichen Zweck wie die Kerben; denn er hatte Zahlen zu ersetzen. Mit Hilfe der Knoten merkten sich die Bauern, was sie nicht vergessen durften. Die unterschiedlich geknüpften Knoten waren für sie genauso wichtig wie für uns geschriebene Notizen.

Am bekanntesten waren die schleifenartigen Müllerknoten, die in die Schnüre der Mehlsäcke geknüpft wurden. An diesen Knoten konnte man genau erkennen, wem der Mehlsack gehörte, in welche Bäckerei er gebracht werden sollte und mit wie viel Mahlgängen das Korn zerkleinert worden war. Weil die Knotenformen stark voneinander abwichen, waren Verwechslungen so gut wie ausgeschlossen.

Neben dem Müllerknoten hatte der Urkundenknoten eine besondere Bedeutung. Er wurde im Mittelalter beim Abschluss eines Vertrages in den Riemen der Urkunde geknüpft. Die Anzahl Knoten der Urkunde bewiesen, wie viele Männer am Vertragsabschluß beteiligt und mit dem Inhalt des Vertrages einverstanden waren.

Auf dem Gericht galt deshalb der Knotenknüpfer als Gewährsmann oder Zeuge. Auch als die meisten Menschen gelernt hatten, ihren Namen zu schreiben, wurde der Brauch des Knotenknüpfens beim Ausstellen von Urkunden noch beibehalten.

 

       
  Redewendungen    
 
 

"De Chnopf isch ufgange" - Ich habe es begriffen

"Einen Knoten im Hals haben" - Mir ist nicht wohl dabei

"Der gordische Knoten" - Ein schier unlösbares Problem

"Bisch en Galgestrick" - Du bist ein listiger Mensch

"En Chnopf is Nastuech mache" - Eine Gedächtnisstütze

"Ich han en Chnopf i der Leitig" - Ich verstehe es nicht

"Einen Knoten in etwas finden" - Eine Schwierigkeit finden

"Hier hat es einen Knoten" - Hier stimmt etwas nicht

"Den Knoten durchhauen" - Etwas gewaltsam trennen, statt mühsam zu lösen

   

 

       
  The International Guild of Knot Tyers  
       
       
       
       
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